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Ihre Website auf dem Handy unlesbar? Warum das die meisten Patienten kostet

  • Für Arztpraxen, die Wert auf ihr Personal legen
  • 8 Min. Lesezeit

Denken Sie an die letzte Situation, in der jemand Ihre Praxis gesucht hat. Wahrscheinlich unterwegs, am Handy, mit einer Hand, vielleicht mit einem kranken Kind auf dem Arm. Gesucht wurde nach genau drei Dingen: Haben die jetzt offen, wie komme ich hin, wie erreiche ich die.

Wenn diese drei Antworten nicht sofort sichtbar sind, ist die Website an ihrer Hauptaufgabe gescheitert, egal wie gut sie am großen Bildschirm aussieht.

Warum die mobile Fassung die einzige ist, die zählt

Google hat den Umstieg auf das sogenannte Mobile-First-Indexing im Juli 2024 abgeschlossen. Seitdem wird jede Website zuerst mit dem mobilen Googlebot bewertet. Das heißt: Die Version, die Sie auf dem Handy sehen, ist die Version, die über Ihre Sichtbarkeit entscheidet, nicht die am Desktop.

Was Google misst
Juli 2024seitdem bewertet Google ausschließlich die mobile Fassung
2,5 sZielwert für den Aufbau des Hauptinhalts (LCP)
rund 39 %der Websites bestehen alle drei mobilen Kernwerte

Quellen: Google Search Central zum Mobile-First-Indexing und zu den Core Web Vitals; Auswertungen zum Anteil bestandener Kernwerte.

Praktisch folgt daraus etwas Unangenehmes: Wenn Ihre mobile Fassung weniger Inhalt hat als die Desktop-Fassung, etwa weil Textblöcke ausgeblendet werden, ist für Google nur der mobile Inhalt vorhanden. Der Rest existiert nicht.

Dazu kommt die Ladegeschwindigkeit als eigenes Signal. Google misst dafür unter anderem, wie lange der größte sichtbare Inhaltsbereich braucht, bis er steht. Der Zielwert liegt bei 2,5 Sekunden. Bei den mobilen Werten schaffen nach Auswertungen nur etwa 39 Prozent der Websites alle drei Kernwerte.

Woran mobile Praxis-Websites scheitern

  • Zu kleine Schrift. Wer zoomen muss, ist schon halb weg. Fließtext unter 16 Pixel ist auf dem Handy zu klein, besonders für Patienten über 60.
  • Die Telefonnummer ist kein Link. Eine Nummer, die man nicht antippen kann, muss abgeschrieben werden. Das macht kaum jemand unterwegs.
  • Öffnungszeiten in einer breiten Tabelle. Am Handy wird daraus eine Ziehharmonika oder man muss seitlich scrollen.
  • Wichtiges zu weit unten. Öffnungszeiten hinter einem großen Bild, drei Bildschirmlängen entfernt.
  • Zu langsame Ladezeit. Große Bilder und viele nachgeladene Dienste kosten im Mobilfunknetz Sekunden.
  • Zu kleine Schaltflächen. Alles, was man mit dem Daumen treffen soll, braucht ausreichend Fläche und Abstand.
  • Wichtige Information nur im PDF. Ein PDF auf dem Handy zu öffnen und darin etwas zu finden ist eine Zumutung.

Der letzte Punkt ist der häufigste bei Praxen. Rezeptregelungen, Urlaubsvertretungen und Formulare landen in PDFs, weil das intern praktisch ist. Für den Patienten am Handy ist es eine Sackgasse.

Die beiden Startseiten im Vergleich

Zwei Startseiten, dieselbe Praxis

Was Patienten oft finden

  • Großes Bild, darunter ein Begrüßungstext
  • Öffnungszeiten in einer breiten Tabelle
  • Telefonnummer als Text zum Abschreiben
  • Rezeptinfo in einem PDF
  • Fließtext unter 16 Pixel

Was sie brauchen

  • Öffnungszeiten ohne Scrollen sichtbar
  • Untereinander, für heute hervorgehoben
  • Telefonnummer als Tipp-Link
  • Rezept als Formular, ein Tipp entfernt
  • Fließtext ab 16 Pixel, guter Kontrast

Die rechte Spalte ist kein Designthema, sondern eine Frage der Telefonlast.

Der Unterschied zwischen den Spalten ist kein Geschmacksthema. Jede Zeile links erzeugt einen Anruf, jede Zeile rechts verhindert einen. Das ist der direkteste Zusammenhang zwischen Website und Telefonlast, den es gibt.

Der Fünf-Minuten-Test

Der Fünf-Minuten-Test mit Ihrem eigenen Handy
  1. 1WLAN ausDamit Sie das Mobilfunknetz messen, nicht Ihren Router
  2. 2ÖffnungszeitenWie lange brauchen Sie, bis Sie die für morgen sehen?
  3. 3AnrufenGeht das mit einem Tipp, ohne die Nummer abzuschreiben?
  4. 4FolgerezeptFinden Sie heraus, wie man eines bekommt?

Jede Aufgabe, die länger als zwanzig Sekunden dauert, ist ein Anruf, den Ihr Team bekommt.

Machen Sie diesen Test nicht selbst allein. Geben Sie Ihr Handy einer Person aus dem Team, die die Seite nicht gebaut hat, und schauen Sie zu, ohne zu helfen. Wo diese Person stockt, stockt auch der Patient. Sie werden dabei Dinge sehen, die Ihnen nie aufgefallen wären, weil Sie wissen, wo alles steht.

Notieren Sie die Sekunden. Jede Aufgabe über zwanzig Sekunden ist ein Anruf, den Ihr Team bekommt.

Der Test mit dem Daumen

Eine Prüfung, die zehn Sekunden dauert und erstaunlich viel zeigt: Halten Sie Ihr Handy so, wie man es im Alltag hält, also in einer Hand, und versuchen Sie, die Seite nur mit dem Daumen zu bedienen. Alles, was Sie dabei nicht bequem erreichen oder nicht sicher treffen, ist ein Problem.

Typische Kandidaten sind das Menü ganz oben in der Ecke, kleine Textlinks mitten im Fließtext und eng nebeneinanderliegende Punkte in einer Aufzählung. Für Menschen mit ruhigen Händen ist das lästig, für ältere Patienten oder jemanden mit einer frisch operierten Schulter ist es eine echte Hürde.

Was zuerst zu tun ist

Erstens: die drei Antworten nach oben. Öffnungszeiten, Telefonnummer als anklickbarer Link, Adresse mit Routenlink. Idealerweise ohne Scrollen sichtbar. Das ist eine Umbaumaßnahme von einer Stunde und wirkt sofort.

Zweitens: Gewicht abwerfen. Große Bilder verkleinern und in einem modernen Format ausliefern, überflüssige Skripte entfernen, Schriften lokal einbinden statt nachladen. Tempo ist auf dem Handy kein Komfortmerkmal, sondern entscheidet darüber, ob jemand bleibt.

Drittens: Bedienbarkeit. Schaltflächen groß genug, Abstände großzügig, Formulare mit den richtigen Tastaturen, also Zifferntastatur bei Telefonnummern und E-Mail-Tastatur bei Adressen.

Viertens: PDFs auflösen. Alles, was Patienten brauchen, gehört als Text auf die Seite. PDFs sind für Dokumente zum Ausdrucken, nicht für Information.

Was auf die Startseite gehört, in dieser Reihenfolge

PositionInhaltWarum dort
1Praxisname, Fachrichtung, OrtKlärt in zwei Sekunden, ob man richtig ist
2Öffnungszeiten, heute hervorgehobenHäufigster Grund des Besuchs
3Telefonnummer als Tipp-LinkZweithäufigster Grund
4Termin anfragen oder buchenNimmt Anrufe heraus
5Rezept anfragenNimmt Anrufe heraus
6Adresse mit Routenlink und ParkhinweisDritthäufigster Grund
7Alles andereLeistungen, Team, Geschichte der Praxis

Position sieben enthält meistens genau das, was auf heutigen Praxis-Seiten ganz oben steht. Das ist der eigentliche Umbau: nicht mehr Inhalt, sondern eine andere Reihenfolge.

Was die Seite langsam macht

Ladezeit klingt technisch und ist es in der Ursache auch, aber die Gründe sind bei Praxis-Websites fast immer dieselben vier:

UrsacheTypische GrößeWas hilft
Unkomprimierte Fotos2 bis 5 MB je BildAuf Anzeigegröße bringen, modernes Format, unter 200 KB
Nachgeladene Schriften100 bis 400 KB, dazu eine fremde VerbindungLokal einbinden, das löst nebenbei ein Datenschutzthema
Eingebettete Karten und VideosOft über 1 MB, bevor jemand hinsiehtErst auf Klick laden oder durch einen Link ersetzen
Baukasten-BeiwerkSkripte für Funktionen, die Sie nie nutzenLässt sich meist nicht abstellen, das ist der Systemfehler

Die ersten drei Zeilen können Sie oder Ihr Dienstleister an einem Nachmittag erledigen. Die vierte ist der Grund, warum manche Seite trotz aller Mühe langsam bleibt.

Der Google-Eintrag ist Teil der mobilen Erfahrung

Ein Punkt, der beim Thema Website regelmäßig übersehen wird: Die meisten Menschen sehen zuerst Ihren Google-Eintrag und erst danach Ihre Seite. Bei einer Suche am Handy nimmt dieser Eintrag den größten Teil des Bildschirms ein.

Wenn dort Öffnungszeiten stehen, die nicht stimmen, hilft die beste Website nichts. Prüfen Sie deshalb dieselben drei Angaben auch dort: aktuelle Öffnungszeiten inklusive Feiertagen, richtige Telefonnummer, richtige Adresse. Das kostet zehn Minuten und wirkt oft stärker als eine Änderung an der Seite selbst.

Warum ältere Patienten der Maßstab sind

Ein erheblicher Teil Ihrer Patienten ist über 65. Diese Gruppe nutzt Smartphones längst, aber unter anderen Bedingungen: kleinere Schrift ist schwerer lesbar, Zielflächen werden ungenauer getroffen, und die Geduld bei Ladezeiten ist kürzer, weil die Erfahrung mit Technik weniger Vertrauen erzeugt.

Wenn Sie Ihre Seite für diese Gruppe bauen, funktioniert sie für alle anderen automatisch mit. Umgekehrt gilt das nicht. Das ist übrigens derselbe Punkt, den auch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz adressiert, nur aus einer anderen Richtung.

Die Suche, die wirklich stattfindet

Es lohnt sich, einmal nachzuvollziehen, wie Menschen tatsächlich zu Ihnen kommen. In aller Regel läuft es so ab:

  1. Jemand tippt am Handy „hausarzt" plus Ortsname oder direkt Ihren Praxisnamen.
  2. Google zeigt Karteneinträge, darunter Ihren, mit Öffnungszeiten und Bewertungen.
  3. Der Suchende entscheidet in wenigen Sekunden, ob er anruft, die Route startet oder die Website öffnet.
  4. Erst wenn er die Website öffnet, kommt Ihre Seite ins Spiel, und dann meist mit einer sehr konkreten Frage.

Daraus folgt zweierlei. Erstens: Ihre Website muss keine Broschüre sein, sondern eine Antwortmaschine. Zweitens: Wer mit einer konkreten Frage kommt und sie nicht in zwanzig Sekunden findet, ruft an. Nicht weil er unfähig ist, sondern weil der Anruf in diesem Moment der schnellere Weg scheint.

Das ist die ganze Logik hinter jeder Maßnahme in diesem Beitrag: Machen Sie den schriftlichen Weg schneller als den Anruf, dann verschiebt sich das Verhalten von allein.

Nachrüsten oder neu bauen?

Wenn die Seite grundsätzlich modern gebaut ist, sind die vier Punkte oben oft in wenigen Stunden erledigt. Wenn sie noch aus einer Zeit stammt, in der eine eigene mobile Fassung üblich war, oder wenn sie auf einem überladenen Baukasten läuft, ist Nachrüsten meist teurer als ein Neubau, weil jede Änderung an derselben Grundlage scheitert.

Der ehrliche Prüfstein ist der Fünf-Minuten-Test. Wenn die drei Aufgaben daran scheitern, dass Inhalte fehlen, ist es Redaktionsarbeit. Wenn sie daran scheitern, dass die Seite technisch nicht mitspielt, also langsam lädt, seitlich wandert oder sich nicht bedienen lässt, ist es eine Grundsatzfrage.

Was Sie danach messen können

Zwei Dinge lohnen sich. Erstens: die Ladezeit, gemessen mit einem der kostenlosen Werkzeuge von Google, jeweils in der mobilen Ansicht. Zweitens, und wichtiger: die Zahl der Anrufe, die Öffnungszeiten, Anfahrt oder Rezepte betreffen.

Die zweite Zahl bekommen Sie nur über eine Strichliste am Tresen, und sie ist die einzige, die im Praxisalltag wirklich zählt. Eine Website, die technisch perfekt misst und trotzdem täglich zwanzig Anrufe erzeugt, hat ihre Aufgabe nicht erfüllt.

Ein dritter Wert lohnt sich, wenn Sie ihn ohne Aufwand bekommen: Wie viele Besucher öffnen die Seite am Handy im Vergleich zum Rechner? In den meisten Praxen liegt der mobile Anteil deutlich über der Hälfte, oft bei zwei Dritteln oder mehr. Wenn Sie diese Zahl einmal gesehen haben, verschiebt sich die Diskussion darüber, welche Ansicht wichtiger ist, ganz von selbst.

Und zum Schluss der Punkt, der alles zusammenhält: Es geht bei dieser Übung nicht um Design. Es geht darum, dass Ihr Team weniger unterbrochen wird und Ihre Patienten schneller ans Ziel kommen. Beides hängt an denselben zwanzig Sekunden.

Quellen

  1. Google Search Central: Mobile-First-Indexierung, abgeschlossen im Juli 2024 (2024)
  2. Google: Core Web Vitals und Zielwerte, unter anderem LCP unter 2,5 Sekunden (2026)
  3. Bitkom e. V.: Zwei Drittel vereinbaren Arzttermine online (2025)

Häufige Fragen

Reicht es, wenn die Seite am Desktop gut aussieht?

Nein. Google hat die Mobile-First-Indexierung im Juli 2024 abgeschlossen und bewertet seitdem ausschließlich die mobile Fassung. Inhalte, die nur am Desktop erscheinen, existieren für die Bewertung nicht.

Wie schnell muss eine Praxis-Website laden?

Google nennt als Zielwert für den Aufbau des Hauptinhalts 2,5 Sekunden. Nach Auswertungen bestehen nur etwa 39 Prozent der Websites alle drei mobilen Kernwerte.

Was gehört bei einer Praxis-Website mobil ganz nach oben?

Öffnungszeiten mit hervorgehobenem heutigem Tag, die Telefonnummer als antippbarer Link und die Adresse mit Routenlink. Danach Termin- und Rezeptanfrage.

Sind PDFs auf der Praxis-Website ein Problem?

Am Handy ja. Ein PDF zu öffnen und darin etwas zu finden ist mühsam. Alles, was Patienten brauchen, gehört als Text auf die Seite. PDFs sind für Dokumente zum Ausdrucken.

Lohnt sich Nachrüsten oder ein Neubau?

Wenn Inhalte fehlen, ist es Redaktionsarbeit von wenigen Stunden. Wenn die Seite technisch nicht mitspielt, also langsam lädt oder seitlich wandert, ist Nachrüsten meist teurer als ein sauberer Neubau.

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